Drei Investoren vor Baustelle
Drei mit einer Vision: Günter Brun, Heike Czaykowski und Stephan Brun (v. l.) haben ein klares Konzept für ihr Bauprojekt.
22.05.2026
Architektur

Wohnraum für zukünftige Fachkräfte in Münster

Das größte Bestandsgebäude im Oxford-Quartier erlebt gerade eine große Transformation: Die kleinen Stuben aus Kasernenzeiten werden umgebaut zu Azubi- und Studierenden-Appartements und jeder Menge einladenden Gemeinschaftsräumen. Hinter OXCamp im H-Gebäude steht eine klare Botschaft: Das Leben in Münster soll für zukünftige Fachkräfte attraktiver werden.

„In Münster dreht sich viel um die Studenten. Das ist nicht schlecht – aber wir wollen, dass die Azubis nicht vergessen werden“, sagt Stephan Brun, einer der drei Investoren hinter OXCamp. Zusammen mit Heike Czaykowski und seinem Bruder Günter Brun will er im Oxford-Quartier dringend benötigten Wohnraum schaffen und jungen Menschen, die neu in Münster sind, zusätzlich Unterstützung und Austausch ermöglichen. „Die Resonanz, die wir erhalten, zeigt, dass das Thema Azubis gerade viele beschäftigt“, so Brun, der zusammen mit seinem Bruder eine Doppelfunktion als Investor und Bauunternehmer innehat.

Nachwuchs im Handwerk fördern

Günter Brun ergänzt: „Uns geht es im Handwerk allen gleich: Es gibt keine Azubis mehr. In unserer Innung sind in 139 ausbildenden Maurerbetrieben mit mehr als 8.000 Mitarbeitenden nur elf Azubistellen im ersten Lehrjahr besetzt.“ Das OXCamp soll Lehrbetriebe in Münster stärken, indem diese ihren Azubis günstigen Wohnraum anbieten können. Im Schnitt zahlt man in Münster für ein WG-Zimmer mehr als 400 Euro. Dank Fördermitteln beträgt die Kaltmiete im OXCamp 230 Euro. „Das kann sich dann auch der Lehrling in der Fahrradwerkstatt leisten“, so Brun. Stephan Brun fügt hinzu: „Es geht aber nicht nur ums Finanzielle: Junge Azubis, die neu in der Stadt sind, sollen hier nicht untergehen und Teil einer Gemeinschaft sein.“

Rendering OXCamp
Die Idee des OXCamps: Hier leben Azubis und Studierende Tür an Tür und wachsen als Gemeinschaft zusammen.
Dachstuhl
Der alte Dachstuhl im Verbindungstrakt wird tragfähig saniert.

Junge Erwachsene unterstützen

Das OXCamp passt damit gut in das Quartier, das weiteren gemeinschaftlichen Bauprojekten einen Ort gibt. Um den sozialen Aspekt langfristig zu sichern, musste ein pädagogisches Konzept her. „Junge Menschen im Übergang ins Berufsleben können Unterstützung gut gebrauchen. Und wir haben direkt 180 unter einem Dach“, sagt Heike Czaykowski. „Dazu kommt, dass Studierende und Azubis nur wenige Jahre in ihren Wohnungen leben. Da ist die Identifikation mit dem Zuhause nicht selbstverständlich.“ Czaykowski hat viele Telefonate geführt, um die passenden Partner für das Projekt zu finden. Bei der Caritas Münster habe es klick gemacht. Sie wird im OXCamp andocken und bringt viel Erfahrung im Umgang mit den Sorgen und Nöten von Azubis mit. „Das Personal vor Ort ist ohne Hürden ein direkter Ansprechpartner für Azubis, die Probleme mit ihrer Ausbildung oder mit Prüfungen haben“, so Czaykowski. Ziel ist es, nicht nur Wohnraum bereitzustellen, sondern auch ein Umfeld zu schaffen, in dem sich junge Menschen gegenseitig unterstützen und vernetzen können. Gerade für junge Menschen, die neu in Münster sind, kann das ein wichtiger Anker sein.

Gemeinschaftsräume ganz nach den Wünschen der Bewohnenden

Das großzügige Grundstück bietet jede Menge Möglichkeiten, um den Zusammenhalt im Haus zu stärken: Aufenthaltsbereiche innen wie außen, Tagungsräume, Lernboxen, Waschräume, ein Repaircafé, Gemüseanbau und ein Mittagstisch sind schon fest als Highlights im OXCamp geplant. „Wichtig ist uns aber auch, dass wir kein Konzept an den Bewohner:innen vorbei, sondern gemeinsam mit ihnen entwickeln“, erklärt Czaykowski. Deshalb wird die Caritas die jungen Menschen dabei unterstützen, einen Bewohnerrat zu gründen und weitere Nutzungsmöglichkeiten für die Gemeinschaftsräume im und ums Haus zu entwickeln.

Fünf Partner für ein funktionierendes Konzept

Die Caritas und der Bewohnerrat sind zwei von insgesamt fünf Säulen, auf denen das Projekt steht. Ein weiterer Partner ist das Amt für Wohnungswesen und Quartiersentwicklung der Stadt Münster. Es ist nicht nur für die Abwicklung der Fördermittel zuständig, sondern unterstützt das Projekt auch ideell mit einem engen Austausch. Alexandra Wirtz, Leiterin des Amtes, teilt mit den Investoren das Ziel, dass die Bewohnerschaft den Branchenmix widerspiegeln soll. „Im Sinne einer transparenten, fairen und gemischten Belegung des OXCamps stimmen wir mit allen Beteiligten Quoten ab“, berichtet Wirtz. „Diese werden wir regelmäßig zusammen mit den Investoren evaluieren und gegebenenfalls anpassen.“ So sollen insbesondere kleine Münsteraner Betriebe, ohne die Möglichkeiten größerer Unternehmen, bei der Nachwuchsakquise gestärkt werden.

Das Fünf-Säulen-Modell

Hinter dem OXCamp stehen fünf Partner, die das Projekt gemeinsam tragen: 

  1. Amt für Wohnungswesen (Stadt Münster): Beratung, Evaluation und Fördermittelvergabe 
  2. Stelle zur Koordinierung der Belegung aus Kreisen der Wirtschaftsbetriebe als Schnittstelle zu den Lehrbetrieben 
  3. Caritas Münster: Pädagogisches Konzept 
  4. Bewohnerrat: Demokratisch gewähltes Gremium der Selbstverwaltung 
  5. OXCamp eGbR (Investor): Vermietung, Verwaltung, Evaluation und Ansprechpartner für alle
H-Gebäude vor dem Umbau
Das H-Gebäude vor der Sanierung.

Durchmischung fördern

Hier soll der fünfte Kooperationspartner ins Spiel kommen. Gewünscht ist eine Belegung aus dem Kreis der Betriebe selbst. So soll eine Schnittstelle zwischen dem OXCamp und den Lehrbetrieben entstehen. Czaykowski ist es dabei wichtig, bewusst eine Durchmischung von Azubis und Studierenden zu fördern: „Das soll den jungen Menschen ermöglichen, den Blickwinkel der jeweils anderen Gruppe einzunehmen.“ Den Schwerpunkt bilden mit einem Verhältnis von drei zu eins aber die Azubis. „Wir hoffen, dass hier gegenseitige Vorurteile abgebaut werden, der Elektrotechnikstudent und der Elektroniker-Azubi Freundschaften fürs Leben schließen und wir so das Image des Handwerks verbessern“, fasst Stephan Brun seine Wünsche für das Projekt zusammen.

Umbau mit Respekt vor dem Bestand

Und wie wird jetzt aus dem ehemaligen Mannschaftsgebäude ein modernes Wohnhaus? „Da das H-Gebäude unter Denkmalschutz steht, erfolgen die Eingriffe sehr behutsam“, berichtet Günter Brun. „So bleiben zum Beispiel Form, Farbe und Material der Fenster erhalten, aber wir vergrößern die Gaubenfenster, um mehr Licht hereinzulassen.“ Die Räume werden zu Appartements für ein bis fünf Bewohnende mit jeweils eigener Küche und Badezimmer geclustert. Die Sanierung soll bis zum Frühjahr 2027 abgeschlossen sein.

Vorbildprojekt mit Strahlkraft

Alexandra Wirtz ist schon jetzt überzeugt, dass das Projekt Strahlkraft über Münster und NRW hinaus entwickeln wird: „Das H-Gebäude ist ein echtes Vorzeigeprojekt: Azubis und Studierende vereint unter einem Dach fördern gemeinsames Lernen, Begegnungen und Unternehmungen.“ Verknüpft mit der Größe des Vorhabens und dem Herzblut, das alle Beteiligten in das Projekt stecken, ist es auf einem guten Weg dahin!

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